Wolfgang Ammer, News, 2004, Tuschfeder, laviert, Deckweiß auf Papier © Landessammlungen NÖ
Wolfgang Ammer, News, 2004, Tuschfeder, laviert, Deckweiß auf Papier © Landessammlungen NÖ

In memoriam Hermann Steininger 1940–2026

von pflege

Ein Nachruf auf wHR Hon.-Prof. Dr. Hermann Steininger (1940-2026)

Mit großer Anteilnahme nehmen der Verein Museen und Sammlungen Niederösterreich und das Museumsmanagement Niederösterreich Abschied von Hofrat Hon.-Prof. Dr. Hermann Steininger, einem der bedeutendsten Museumsmenschen unseres Landes, der am 15. Jänner 2026, im 86. Lebensjahr, von uns gegangen ist. Sein Wirken prägte die niederösterreichische Museumslandschaft über mehr als sechs Jahrzehnte und hinterlässt ein einzigartiges wissenschaftliches Vermächtnis

Hermann Steininger wurde 1940 in Wartberg an der Mürz geboren und erhielt bereits im Elternhaus sowie im Stiftsgymnasium Seckau eine humanistisch geprägte Bildung. Sein Studium der Geschichte, Germanistik und Volkskunde an der Universität Wien legte die Grundlage für jene außergewöhnliche wissenschaftliche Breite, mit der er in den folgenden Jahrzehnten volkskundliche Forschung, Museumsentwicklung und landeskundliche Dokumentation verbinden sollte.

Pionier für Museumskunde und Volkskunde

Bereits in den frühen 1960er‑Jahren begann Hermann Steininger jene Sammlungstätigkeit, die zu seinem Lebenswerk wurde: den Aufbau eines umfassenden Archivs zu Museen vorwiegend in Niederösterreich und dem Burgenland, zu Persönlichkeiten der Regional- und Heimatforschung sowie zu volkskundlichen Themen, insbesondere der Keramik und Rechtsgeschichte. Seine fachliche Herangehensweise war von größter Genauigkeit geprägt. Das von ihm gesammelte Material wurde systematisch geordnet, mit Querverweisen versehen und damit zu einem in sich vernetzten Wissensraum. Sein Grundsatz „Alles steht im Dialog miteinander“ wurde zum Leitmotiv dieser Dokumentation.

In der Praxis bedeutete dies nicht nur enorme Materialfülle, sondern auch methodische Weitsicht – lange bevor digitale Vernetzungen selbstverständlich wurden. Ein großer Teil seiner Erfassungstätigkeit zur Museumslandschaft wurde in den folgenden Jahrzehnten digitalisiert und bildet bis heute ein unverzichtbares Fundament für Forschung und Museumsentwicklung.

Grundlage des Museumsverzeichnisses des Museumsmanagement Niederösterreich

Von unschätzbarer Bedeutung ist Hermann Steiningers Beitrag zur Entstehung des Museumsverzeichnisses des Museumsmanagement Niederösterreich. Seit Mitte der 1980er‑Jahre führte er eine Museumsdatenbank, die 1997 vom Verein „Museen und Sammlungen Niederösterreich“, dessen Gründungsmitglied er war, mit Unterstützung des Landes Niederösterreich übernommen und 1998 online zugänglich gemacht wurde. Damit bildet Hermann Steiningers jahrzehntelange Dokumentationsarbeit die Grundlage der Arbeit des Museumsmanagement Niederösterreich. Seine Datenbank mit den Geschichten der Museen und umfangreichen Literaturhinweisen ist heute zentrales Arbeitsinstrument für die Dokumentation und Weiterentwicklung der Museumslandschaft unseres Bundeslandes.

Ein Leben für die volkskundliche Forschung

Neben seiner beruflichen Tätigkeit in Landesmuseum und Landesbibliothek, wo er ab 1964 bzw. ab 1973 wirkte, veröffentlichte Hermann Steininger eine Fülle wissenschaftlicher Arbeiten, von Beiträgen zur Museumsgeschichte über Grundlagenwerke zu Keramik und Rechtsgeschichte bis hin zu weiteren Themen der Volkskunde und Sachkulturforschung. Seine wissenschaftliche Präzision, sein Blick für historische Zusammenhänge und seine unermüdliche Bereitschaft, Wissen zu ordnen, zu kommentieren und zugänglich zu machen, machten ihn zu einem hochgeschätzten Kollegen. Als Hochschullehrer wirkte er weit über Niederösterreich hinaus: Ab 1984 als Lektor, später als Honorarprofessor am Institut für Volkskunde (heute Europäische Ethnologie) der Universität Wien. Der Wert sorgfältiger Dokumentation war auch in seiner Lehre zentral und prägte Generationen von Studierenden.

Persönlichkeit und Würdigung

Hermann Steininger war ein wacher Denker, geprägt von großer Sorgfalt und Umsichtigkeit. Er verzichtete weitgehend auf Mobiltelefon und Auto, pflegte Begegnungen bewusst und aufmerksam und blieb seiner Zeit stets offen gegenüber. Seine Beobachtungen zu Museen, die er in den 1960er‑Jahren noch als „staubig, schmutzig und verschlossen“ erlebt hatte, verband er mit einer lebenslangen Motivation, museale Vermittlung zu verbessern und Wissen zugänglich zu machen. Diese Haltung – bescheiden, genau, zugewandt – war die Grundlage seines wissenschaftlichen Ethos und seiner persönlichen Ausstrahlung. Noch bis vor kurzem war er forschend im Lesesaal der Landesbibliothek anzutreffen.

Für sein umfassendes Engagement erhielt Hermann Steininger zahlreiche Anerkennungen. So wurde sein lebenslanger Beitrag zur Volkskunde, zur Museumskunde und zur wissenschaftlichen Erschließung der niederösterreichischen Kulturgeschichte im Jahr 2007 mit dem Würdigungspreis in der Kategorie Erwachsenenbildung im Rahmen der Kulturpreise des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Unvergessen

Der Verein Museen und Sammlungen Niederösterreich sowie das Museumsmanagement Niederösterreich teilen Hermann Steiningers Überzeugung, dass Museen Wissens- und Lebensräume sind, in denen Objekte, Menschen, Regionen und Geschichten miteinander in Beziehung treten. Seine jahrzehntelange Dokumentation bildet einen Grundpfeiler unseres heutigen Wissens über die Museumslandschaft des Landes.

Wir verbeugen uns in Dankbarkeit vor einer Persönlichkeit, die mit stiller Beharrlichkeit, großer Fachkenntnis und tiefer Verbundenheit zu Niederösterreich eine Kulturleistung von bleibender Bedeutung geschaffen hat.

Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm verbunden waren.

 

In ehrendem Gedenken,

Prof.in Dr.in Elisabeth Vavra, Obfrau des Vereins Museen und Sammlungen Niederösterreich

Mag.a Ulrike Vitovec, Geschäftsführerin Museumsmanagement Niederösterreich

 

Eine kleine Auswahl von Objekten aus Hermann Steiningers Zeit als Kustos der volkskundlichen Sammlung
Eine kleine Auswahl von Objekten aus Hermann Steiningers Zeit als Kustos der volkskundlichen Sammlung, Foto: Rocco Leuzzi

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