Museale Dienstfahrt der Extraklasse
von pflege
Sonderausstellung „Staatslimousinen“ im Oldtimer Museum Wiener Neustadt
Das Automobil, das von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leiter zu ihrem „Lieblingswagen in dieser Ausstellung“ gekürt wurde, zählt zu den kulturgeschichtlichen Highlights des Sammlungsbereichs Landeskunde der Landessammlungen Niederösterreich. Dieses Dienstfahrzeug symbolisiert eine Ära, in der der niederösterreichische Staatsmann Figl maßgeblich zur Erfolgsgeschichte des österreichischen Staatsvertrages beitrug. Leopold Figl, in den Jahren 1945 bis 1953 Bundeskanzler der jungen Zweiten Republik, steht wie kaum ein anderer ÖVP-Politiker für den Wiederaufbau Österreichs. Seit der Übernahme seines Dienstwagens als Außenminister in die Bestände der Landessammlungen Niederösterreich trat der Mercedes sowohl 2005 als auch 2015 zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Gedenken an die Unterzeichnung des Staatsvertrages der Öffentlichkeit in Erscheinung. Im Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich wird die Limousine seit 2017 als Ausstellungsobjekt dauerhaft gewürdigt.
Als prestigeträchtiges 6 Zylinder Topmodell der Baureihe 180 stand der Mercedes Benz Typ 220 S für ein geräumiges Innenleben mit weicher Polsterung, Echtholzverkleidungen und hochwertigen Chrombeschlägen. Von faktischer Bedeutung war die hohe Langstreckentauglichkeit, die mit einer, für damalige Verhältnisse, hohen Motorleistung einherging, 100 PS aus 2195 ccm Hubraum erlaubten bis zu 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Allein schon der Preis von öS 95.000.— , ein Vermögen im Jahr 1956, ordnete das Fahrzeug der gehobenen Oberklasse zu. Seine Ausführung als 5-Sitzer basierte auf einem „Ponton“ Wagenaufbau mit glatten Seitenteilen und längerem Radstand. Die elegante Linienführung und die exquisiten Chromverzierungen können auch als Vorboten des aufstrebenden Wirtschaftswunders gelesen werden. Als Dienstfahrzeug stand der Mercedes ab Juni 1957 mit dem Kennzeichen W 15 vorerst im Fuhrpark des Bundkanzleramtes, erhielt jedoch das Kennzeichen W 2128 ab 1960, da erst in diesem Jahr ein eigenständiges Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten ins Leben gerufen wurde. Sein „Second Life“ trat der „Ponton“ 1962 als Privatbesitz an, um in Folge zu musealen Ehren zu kommen.
Die Leihgabe der Landessammlungen Niederösterreich mit der Inventarnummer LK2453 teilt sich in der von Ex-Vizekanzler Wolfgang Brandstetter kuratierten Schau den Ausstellungsraum mit einem Rolls Royce von 1929 von King George VI, einem Cadillac Fleetwood von 1976 aus der Ära Reagan und weiteren staatstragenden Fahrzeugen aus dem vergangenen Jahrhundert.
Sonderausstellung „Staatslimousinen“ im Oldtimer Museum Wiener Neustadt (v.l.): Bürgermeister Klaus Schneeberger, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Friedrich und Ronald Fehr sowie Kurator Wolfgang Brandstetter © NLK Khittl



