Tagung „Endstation Museum? Zum Erhalt von historischen Lehrmittelsammlungen in Schulen“
von pflege
Ein starkes Signal der Kooperation mit Bildungseinrichtungen setzten die Landessammlungen Niederösterreich (LSNÖ) bei der Tagung „Endstation Museum? Zum Erhalt von historischen Lehrmittelsammlungen in Schulen“. Gemeinsam mit dem Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften (ZMSW) und dem Stift Seitenstetten brachten die Landessammlungen Niederösterreich am 19. Mai 2026 an der Universität für Weiterbildung Krems bei starker Publikumspräsenz ihre museale Expertise ein.
Die Veranstaltung war der Frage gewidmet: Wie können Schulen dabei unterstützt werden, historische Lehrmittelsammlungen sinnstiftend am eigenen Standort zu erhalten? Seitens Kustodinnen und Kustoden niederösterreichischer, oberösterreichischer, steirischer und Wiener Schulsammlungen wurde die Veranstaltung als wichtiger fachlicher Input bei ihrem Anliegen, der fachgerechten Tradierung dieses Bildungsgutes wahrgenommen. Die wertschätzende Videobotschaft von Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zu Veranstaltungsbeginn unterstrich den hohen Stellenwert des Themas Bildung in Niederösterreich. Armin Laussegger, Leiter der Landessammlungen Niederösterreich, betonte in seiner Begrüßung als Gastgeber die Bedeutung historischer Lehrmittel als Wissensressource wie auch Kulturgut. Für eine nachhaltige Stärkung schulischer Kustodiate sprach sich der Schuldirektor des Stiftsgymnasium Seitenstetten, Markus Berger, deutlich aus.
In leitender Verantwortung für das Sammlungsgebiet Kulturgeschichte stellte Abelina Bischof (LSNÖ) ausgewählte Objekte der schulspezifischen Bestände vor und beleuchtete den Transformationsprozess vom Lehrmittel zur Musealie. Welchen Wert eine differenzierte Reaktivierung historischer Lehrmittel im Zuge von Bildungsprozessen darstellen, wurde im Vortrag beispielhaft argumentiert. Dass bis heute die Biologie-Sammlung des Stiftsgymnasiums Melk, die 1850 von Patres begründet wurde, im Unterricht Verwendung findet, vermochte im Vortrag von Sandra Sam (Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften) als vorbildliches Beispiel der Tradierung von Wissen zu überzeugen. Wie stark das naturwissenschaftliche Forschungsinteresse in Stiften verankert ist und auch Ausdruck in den Sammlungen der Klosterkultur findet, wurde ebenso deutlich. Bei der Vorstellung seines Tätigkeitsfeldes im Benediktinerstift Seitenstetten als Betreuer der Naturhistorischen Sammlungen als auch der biologischen Schulsammlungen des Stiftsgymnasiums brachte Mathias Weis mit großem Engagement die Themenfelder Dokumentation und präventive Konservierung, aber auch den Umgang mit problematischem Altbestand und Aufgaben ein. Der Umgang mit der Schutzwürdigkeit von Lehrmitteln und die daraus resultierende Verantwortung stand im Zentrum des Vortrags von Konstanze Amelie Knittler (Bundesdenkmalamt): Keine Entsorgung dürfe ohne fachliche Prüfung erfolgen. Es gelte, Denkmalpflege unter Berücksichtigung von Gesundheits- und Sicherheitsfragen in der Schulpraxis zu berücksichtigen. Ulrike Vitovec (Museumsmanagement Niederösterreich) empfahl zur Stärkung von Kustodiaten in Schulen, Allianzen zu bilden, denn gemeinsam ließen sich die Herausforderungen des Sammlungserhalts besser bewältigen. Beim Aufbau überregionaler fachlicher Netzwerke könne ein bedarfsorientiertes Fortbildungsprogramm zusätzlich unterstützen.
Am Nachmittag wurde als partizipativer Programmpunkt der Umgang mit historischen Lehrmittelsammlungen an Schulen im Format „Stehcafé“ in zwölf Gruppen diskutiert und anschließend im Plenum vorgestellt. Thematisiert wurden u.a. die Herausforderungen der Inventarisierung, konservatorische Probleme, fehlende Ressourcen zur Betreuung und der herausfordernde Einsatz analogen Lehrmaterials in Zeiten zunehmender Digitalisierung.

Begrüßung der Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer durch Mag. Armin Laussegger, Leiter der Landessammlungen Niederösterreich sowie des Zentrums für Museale Sammlungswissenschaften, Universität für Weiterbildung Krems (Foto: Landessammlungen NÖ).



